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  Dieburg, Jüdischer Friedhof GPS: N 49° 54' 20,4'' E 008° 50' 41,4''
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grafik-zu-text   Historie - Bauabschnitte - Inschriften - Symbole -Begräbnisfeld -Literatur - Weiteres
 
leer Der Jüdische Friedhof in Dieburg ist ca. 1 Hektar groß.
Sichtbar sind heute noch rund 1000 Gräber. Diese Zahl gibt allerdings nicht die gesamte Zahl der Gräber an, da zahlreiche Grabsteine versunken sind. Die tatsächliche Zahl der Bestattungen ist mit mehreren Tausend anzunehmen.
  Der heutige Eingang, das Torhaus an der Ostseite, wurde 1853 erbaut. (Bild links) Es diente als Unterstand für einen Leichenwagen, der von einem eigens gegründeten Verein angeschafft wurde.
  Bei dem Dieburger Friedhof handelt es sich um einen Verbandsfriedhof. Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten im die folgende 21 Gemeinden an:
    Eppertshausen
Georgenhausen
Groß-Bieberau
Groß-Umstadt
Groß-Zimmern
Gundernhausen
Habitzheim
Klein-Umstadt
Lengfeld
Messel
Münster
Ober-Klingen
Ober-Ramstadt
Raibach
Reinheim
Roßdorf
Semd
Spachbrücken
Ueberau
Urberach
Zeilhard

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leer punkt Historie
  1349 1349 werden das erste Mal Juden in Dieburg erwähnt.
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  1421 1421 wird die so genannte Judengasse in Schriften festgehalten.
Heute heißt die Judengasse Klosterstraße
und befindet sich in der Nähe des Rathauses.
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  1514 Bis 1514 war die Judengasse der einzige Ort in Dieburg, an dem Juden wohnen durften.
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  1503
1530
1503/1530 finden sich im Judizialbuch Angaben, dass ein Friedhof für die Bestattung zweier Juden (Aren und Anschein) angelegt wurde. Dieser Platz lag am so genannten "Elenden Kreuz", dem heutigen Lageort des Friedhofs.
Im ältesten Teil, im südlichsten Bereich, stehen die ältesten Steine von 1715. Diesen Bereich betrat man durch eine heute vermauerte Eingangspforte in der Südmauer.
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  1816 1816 wird ein Nachbargrundstück eingetauscht, um den Friedhof zu erweitern. bild
 
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  1830 1830 kann durch den Kauf eines Grundstücks für 900 Mark der Friedhof wiederum nach Norden erweitert werden. bild
 
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  1844 1844 wird der Friedhof zum Verbandsfriedhof und Eigentum aller zum Verband gehörenden 21 jüdischen Gemeinden erklärt, eingetragen als Eigentümerin bleibt die jüdische Gemeinde Dieburg. bild
 
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  1926 1926 kauft die Israelitische Religionsgemeinde einen Acker von 1675 Quadratmeter hinzu, der heute den nördlichsten Teil bildet. bild
 
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  1933 1933 zählt die jüdische Gemeinde 159 Mitglieder, davon emigrierten 94 in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Frankreich, Holland, in die Schweiz, nach Kuba, Südafrika und Palästina. 5 verstarben noch in Dieburg. bild
 
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  1939 1939 letzte Bestattung. 25 Personen verzogen nach Frankfurt am Main, um dort im vermeintlichen Schutz der Großstadt unterzutauchen. Die restlichen Dieburger Juden und ein Teil der verzogenen Personen wurden deportiert und starben in Vernichtungslagern und Gettos. bild
 
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  1940 Um 1940 wurden zahlreiche Grabsteine aus Sandstein vom Friedhof abtransportiert und zum Schloss Fechenbach gebracht. Diese Grabsteine waren von den Nazis rechtwinkelig zu Platten umgearbeitet worden und als Baumaterial verwendet. bild
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  nach dem Krieg Nach dem Krieg wurden diese Steine zurück gebracht. Da die Lage der ursprünglichen Gräber nicht mehr bekannt war, stellte man sie an der Ostwand des Friedhofs auf oder setzte sie zu einer Gedächtnispyramide auf. bild
 
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  1941
1952
1941 ging die israelitische Religionsgemeinschaft Dieburg auf Anordnung der Regierung in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland auf.

1943 beschlagnahmte die Gestapo deren gesamtes Vermögen.

1945 wird die Rechtsnachfolge durch die JRSO (Jewish Restitution Successor Organisation) geklärt.

1952, mit dem Rückerstattungsvertrag wird die JRSO als Eigentümer des Friedhofs in Dieburg eingetragen.

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  seit 1960 Seit 1960 steht der Friedhof im Eigentum des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Für den Erhalt ist die Stadt Dieburg auf Grund einer Pflegevereinbahrung zuständig und bekommt dafür jährlich eine finanzielle Unterstützung. bild
 
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  1960 1980 Zwischen den 50er und 80er Jahren wurden vereinzelt Grabsteine umgeworfen. bild
 
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  1982 1982 ließ die Stadt auf Wunsch des Landesrabiners alle nicht mehr standfesten Steine ablegen. bild
 
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  ab
1990
Ab 1990 wurde auf Wunsch jüdischer Nachkommen wieder damit begonnen die Steine aufzurichten. bild
 
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  1998 1998 sind alle Steine wieder aufgerichtet. Finanziert wurde diese Maßnahme durch das Land Hessen, den Kreis Darmstadt-Dieburg, die Stadt Dieburg und einigen der ursprünglichen Bestattungsgemeinden. Nicht alle, nur einige der einstigen Bestattungsgemeinden haben das mitfinanziert. bild
 

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leer punkt Unterteilung der Bauabschnitte
  bild Ältester Teil
Im ältesten Teil, im südlichsten Bereich, stehen die ältesten Steine von 1715.
Diesen Bereich betrat man durch eine heute vermauerte Eingangspforte in der Südmauer.
Hier fanden laut Stadtrechnungen auch zwischen 1600 und 1700 Bestattungen statt.
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Aus Platzmangel wurden hier Aufschüttungen durchgeführt.
Aus diesem Grund sind die älteren Steine versunken.

Man führte Überbestattung durch, um den Grundsatz nicht zu verletzen, wonach in ein bestehendes Grab nicht noch einmal bestattet werden darf.

Die Grabsteine dieser Epoche sind aus Sandstein,
einfach gehalten, rechteckig oder rundbogig.
Die Inschrift ist hebräisch.

 
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leer   bild Mittlerer Teil

Der mittlerer Teil stammt aus dem 19. Jh. Es handelt sich hier um Sandsteine, Findlinge, zum Teil Marmortäfelchen und schon wenige Marmorgrabsteine. In dieser Zeit assimiliert sich das jüdische Leben.
Die Namen werden eingedeutscht, Inschriften zum Teil mit christlichen Formulierungen und zweisprachig ausgeführt. Zum Teil finden sich auch klassizistische, reich verzierte Grabsteine, aber auch einfache.

 
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leer   bild Neuester Teil

Im neuen Teil liegen die Gräber der 20er und 30er Jahre.
Dieser Bereich ist weitgehend unbelegt.
Als jüngste Bestattungen finden sich hier lediglich die Gräber dreier polnischer "Displaced Persons" von 1946 und 1947.


Displaced Persons (DP),
die Rekrutierung von Zwangsarbeitern in den während des 2. Weltkriegs besetzten Gebieten durch die deutschen Behörden schuf ein Heer von Entwurzelten, die bei Kriegsende von den Alliierten als Displaced Persons (verschleppte Personen) eingestuft wurden. Zu ihnen gehörten auch die nichtdeutschen Flüchtlinge, die sich vor der Roten Armee nach Westen abgesetzt hatten. Insgesamt schätzte man die Zahl der DP 1945 auf 8.5 Mio., die von der UN betreut wurden und später zum größten Teil in ihre Heimatländer zurückgeschickt oder in andere Länder umgesiedelt wurden und zum kleineren Teil als Staatenlose in der Bundesrepublik blieben. Viele wurden später eingebürgert. Zu den DP´s gehörten auch jüdische DP´s, Überlebende der Vernichtungslager im Osten. 1000 DP´s waren nach dem Krieg im DP-Lager Dieburg angesiedelt.
  bild Die Steine sind hier aus poliertem Granit und Marmor.
Die Inschriften wurden zweisprachig, auch mit Geburtsdatum ausgeführt
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leer punkt Inschriften
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  Die Inschriften beinhalten den Namen, die Stellung, einen Segensspruch, das Todesdatum und später auch Geburtsdatum, Bibelzitate (zum Lob), Formeln wie P.T. oder N.T. die "hier liegt begraben" oder "hier ruht" bedeuten oder den Segensspruch T.N.Z.B.H.= "Möge ihre/seine Seele eingebunden sein im Bündel des Lebens". Alle Inschriften zeigen nach Osten, nach Jerusalem.
 
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leer punkt Symbole
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  Kanne, Schale, Krug:
Diese Zeichen tragen die Gräber der Leviten, Träger des Namens Levi, Haievi, Segal, Zeichen ihrer Würde, Leviten gießen den Priestern Wasser über die Hände. Segnende Hände stehen für Priester (Kohen), segnet die Gemeinde. Das Widderhorn ist ein Kultgegenstand. Es wird am Neujahrsfest/Feiertag geblasen, kündigt ursprünglich Ankunft des Messias an. Das Messer steht als Werkzeug des Beschneiders. Die Krone ist Zeichen für Tora und nimmt Bezug auf das Oberhaupt der Familie Davidsschild, Davidsstern Geknickter Blumenstengel = beendetes Leben (Romantik, Biedermeier).
 
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leer punkt Begräbnisfeld
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  Ursprünglich musste ein Begräbnisgeld an die Stadtkasse Dieburg und die Staatskasse gezahlt werden. 1824 verzichtet der Staat auf die Zahlungen. Die Stadt Dieburg bestand weiterhin auf die Zahlungen. Die Juden wurden gezwungen, ihre Toten zur Bestattung um die Stadt herumzutragen, wenn sie eine Zahlung unterließen. 1850 kam es nach einer Weigerung zum Zwischenfall: Juden wurden inhaftiert. Vor Gericht unterlag Dieburg und musste die Kosten zahlen. Die Juden mussten ab diesem Zeitpunkt ein Begräbnisgeld und "Einkaufsgeld" und einen jährlichen Beitrag an die Kasse der jüdischen Gemeinde Dieburg zahlen. 1911, wieder nach Querelen, wurden die Einkaufsgelder nach Maßgabe des Vermögens der Mitglieder festgesetzt.
 
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leer punkt Literatur
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Der Dieburger Judenfriedhof
Günter Keim, Der Dieburger Judenfriedhof.

Beiträge zur Geschichte der Juden in Dieburg, 1993,

339 Seiten
herausgegeben vom Magistrat der Stadt Dieburg 1993

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Bildband von Marianne Paul
unter Mitarbeit von Monika Rohde-Reith
und Ulrike Posselt des Stadtarchivs Dieburg
Texte in deutsch, englisch, französisch
Verlag: Dieburger Verlag (2001) 72 Seiten - ISBN: 3-931611-08-6
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Der jüdische Friedhof in Dieburg

Faltblatt
Texte in deutsch,
herausgegeben vom Magistrat der Stadt Dieburg
2001

 
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Weitere Informationen:

Stadtverwaltung Dieburg
Rathaus, Markt 4
64807 Dieburg
Telefon 06071 2002-206
(Telefon 06071 2002-0)

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  Sie erreichen den Jüdischen Friedhof über die Verbindungsstrasse zwischen Dieburg und Münster,
Nähe der Bahnschranke (ca. 100 m Richtung Münster).
Folgen Sie den Hinweisschildern "Jüdischer Friedhof" und "Bauhof".
  Der Eingang liegt zwischen 2 gewerblichen Gebäuden und ist von der Strasse aus nicht zu sehen. bild
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© Harald Fester (2012)

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