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  leerTaunusplatz in Frankfurt am Main
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punkt Das Diestbotenbuch Die junge Köchin Anna Kaiser bei Familie Fester
punkt Erinnerungen an die Kindheit Lotte Fester hinterlässt Gadanken an ihre Kindheit
punkt Der Taunusplatz Plan und Namen
punkt Ergänzungen Weiteres
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grafik-zu-text punkt Das Diestbotenbuch
  Im Hause Fester wurden in verschiedenen Familiensitzen Diensboten eingesetzt. So auch am Taunusplatz 23 bei Familie Emil A. Fester mit den zwei Kleinkindern Lotte und Hans in der Zeit von März 1913 bis Juni 1914 die Anstellung der Köchin Anna Kaiser, die zu diesem Zeitpunkt junge Mutter und 27 Jahre alt war. (Foto Bild rechts)
Im Dienstbotenbuch ist dieses Beschäftigungsverhältnis in der Familie Emil A. Fester, Frankfurt am Main vermerkt.
Frau Kerstin Rehmann, geb. Kaiser aus Bad Schmiedeberg findet im Internet diese Internetseite mit Angaben zu Emil A. Fester und setzt sich im August 2014 telefonisch mit Harald Fester, dem Enkel von Emil A. Fester in Verbindung. Sie schildert ihre Versuche über verschiedene Stellen an Daten ihrer Ur-Großmutter heran zu kommen und gibt ihre Bemühungen und Wünsche in der unten dargestellten Nachricht schriftlich wieder.
Bei den Nachforschungen spielt das oben erwähnte Diestbotenbuch eine große Rolle. Darin sind die persönlichen Daten, wie Geburtsdatum und Geburtsort vermerkt. Weiterhin sind amtlich bestätigte Eintragungen über die "Dienstherrschaft" zu finden. Es geht daraus hervor, daß die Köchin in Frankfurt am Main unter anderem bei der Familie Emil A. Fester Beschäftigung fand. Auf eigenen Wunsch, so die Zeugnisaussage von Frau Luise Fester in diesem Dienstbotenbuch, verläßt Frau Anna Kaiser am 4. Juni 1914 die Familie Emil A. Fester. Alte Dokumente zeigen an, daß Anna Kaiser am 5. Januar 1913 ein Kind zur Welt brachte, dessen Vater, Frau Rehmanns Ur- Großvater, unbekannt ist und Frau Rehmann gerne dessen Existenz ausmachen möchte. Lesen Sie hier die Zusammenfassung von Frau Rehmann vom 25.08.2014.
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  Hallo Herr Fester,
danke für das Telefonat von heute Abend. Gern trage ich Ihnen einige Informationen zusammen.
Meine Uroma war Anna Kaiser, geboren am 04.08.1887 in Memmingen.
Ihre Eltern waren Glasermeister Karl- August Kaiser (1847 bis 1911)
und Anna-Elisabeth Kaiser, geb. Vogt (1852 bis 1923).
Anna Kaiser war als Haushälterin bei wohlhabenden Menschen in Stellung. Ich habe ihr Dienstbotenbuch.
Dieses ist eigentlich lückenlos geführt, nur ein Zeitraum fehlt - vom Juni 1911 bis August 1912.
Es ist die Zeit, in der sie schwanger wurde. Am 5. Januar 1913 bekam sie ein Mädchen mit Namen Anna Kaiser geboren in Frankfurt, Auf der Körnerwiese 2.
Zu dieser Zeit war sie bei einem Kaufmann mit Namen Baschwitz in Frankfurt in Stellung. Siehe Anlage.
Die Geburtsurkunde der Anna Kaiser vom 05.01.1913 sagt nichts über einen Vater aus.
Es gibt auch keine Randbemerkungen im Geburtenbuch der Stadt. Diese Frau Anna Kaiser, meine Oma, sprach von einem Alfred Guggenheimer als ihren Vater.
Einen Nachweis dafür gibt es nirgendwo.

Nur eines macht mich stutzig: Es gibt eine Volkszählung vom 17.05.1939 (Quelle Bundesarchiv Berlin).
Da stehen die Abstammungsschlüssel wie folgt:

Kaiser Anna, geb. 04.08.1887 Abstammung NNNN
Kaiser Anni (nach Geb.urkunde Anna), geb. 05.01.1913 Abstammung JJNN
Kaiser Hansjörg (Sohn von Anni Kaiser), geb. am 19.03.1937 Abstammung JNNN

Das J bedeutet "Jude". Und es ist für mich immer noch ein Rätsel, woher die Nazis wussten, dass Anna Kaiser mit einem Juden ein Kind hatte. Anni Kaiser durfte aus diesem Grund auch nicht heiraten.
Dazu gibt es ein Schreiben vom Reichsminister des Inneren aus dem Jahr 1938, was mir ebenfalls vorliegt.

Nun sagte mir mein Pfarrer, dass auch die Taufbescheinigungen Hinweise zu einem Vater enthalten könnte. Deshalb suche ich in Frankfurt die passende evangelische Kirche (in Memmingen ist sie in der Frauenkirche konfirmiert, aber nicht getauft)
Die Katharinengemeinde in Frankfurt, zu der die Körnerwiese gehört, hat die Taufbücher durchgesehen und gesagt, dass es keinen Eintrag gibt. Dann kam der Hinweis, vielleicht ist die Mutter mit dem Kind ja danach verzogen.
Das Dienstbotenbuch sagt mir auch wohin. Zu Ihren Großeltern, Herrn Emil A. Fester mit Frau Louise (siehe Seite 10 und 11 des Buches). Sie sagen mir, dass es das Haus am Taunusplatz 23 war.
Nun muss ich überlegen, welche Kirche hier möglich wäre.
Ein Foto von Anna Kaiser, der Köchin, lege ich auch bei. Es ist sogar in Frankfurt fotografiert.

Mein Name ist Kerstin Rehmann, geb. Kaiser
Ich wohne in 06905 Bad Schmiedeberg, Leipziger Straße 25

Ich werde mir mal in Ruhe Ihre schöne Seite durchlesen.
Viele Grüße, Kerstin Rehmann

Hilfe zur Recherche bitte an:  E-Mail-Kontakt zu Frau Rehmann hier klicken
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Dienstbotenbuch
V 757/49/2
Register Nummer 32
für
Anna Kaiser
geboren am 4. August 1887
zu Memmingen
heimatberechtigt zu Memmingen
Größe: mittel
Körperbau: schlank
Haare: schwarz
Augen: grün
ausgefertigt Juni 1905
Siegel u. Unterschr. Stadtmagistr. Memmingen

  grafik-zu-text Dienstbotenbuch
V 757/49/2
Register Nummer 32 - Seite 8 und 9

Dienstherrschaft
Name: Herr Baschwitz
Stand: Kaufmann
Wohnort: Frankfurt a. Main
Eigenschaft d. Dienstes: Köchin
Eintritt: 1. September 1912
Austritt: 5. Januar 1913

Unterschrift der Eheleute Baschwitz
mit Dienstsiegel d. Kgl. Polizei Frankfurt a. M.
Datum-Stempel "V. 9-JAN 1913"
  grafik-zu-text Dienstbotenbuch
V 757/49/2
Register Nummer 32 - Seite 10 und 11

Dienstherrschaft
Name: Emil A. Fester
Wohnort: Frankfurt a. Main
Eigenschaft d. Dienstes: Köchin
Eintritt: 1.März 1913
Austritt: 4. Juni 1914

Gewissenhaftes Zeugnis über die während der Dienstzeit bewiesene Treue, den Fleiß und das Betragen.



Handgeschiebene Bewertung von Frau Louise Fester:
  "Anna Kaiser hat sich als fleißiges, zu jeder Arbeit williges Mädchen erwiesen, besonders im Kochen meine volle Zufriedenheit erworben. Sie verläßt die Stelle auf eigenen Wunsch. Meine besten Wünsche begleiten sie. Louise Fester "

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leer punkt Erinnerungen an die Kindheit
  In einem 110seitigen Dokument hat Frau Dr. Lotte Fester (03. April 1911 - 11. April 2006) Lebenserinnerungen zusammengeschrieben. Diese Arbeit mit dem Titel " Erinnerungen einer europäischen Frankfurterin" widmete sie 1989 ihrer lebenslangen Freundin Helga Hummerich (29.12.1906 - 25.06.1998). Über Ihre Kindheit am Taunusplatz 23 ist auf Seite 9 zu lesen:
  grafik-zu-text Kindheit und Jugend
Mit dem Haus am Taunusplatz 23, Ecke Weserstraße, verbinde ich bis zu seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg nur schöne Erinnerungen. Der Taunusplatz existiert nicht mehr, nachdem in den fünfziger Jahren die Bundesbank - damals in der Taunusanlage residierend - ihren Neubau nach Süden ausdehnte und den Platz mit seinen fünf Häusern kassierte. In den achziger Jahren wurde unter diesem Terrain der S-Bahnhof Taunusanlage gebaut. Die südliche und östliche Seite trugen den Namen Taunusplatz, die nördliche und westliche hießen Nidda- und Weserstraße.
An der Ostseite hatte Kommerzienrat de Neuville Haus und Garten. Wir nannten ihn kurz "Ko". Der kleine, rundliche Mann ritt jeden Morgen mit seinem Reitknecht gleichen Vornamens, dem illegalen Sohn seiner Köchin, in den Stadtwald. Rudolf, der Reitknecht hatte die selben krummen Beine wie sein Vater, nur, daß er ein Drittel größer war als er. An Ko's Frau kann ich mich gut erinnern. Sie war verkrüppelt, eine stille Frau im Rollstuhl, immer nett mit uns Kindern, Jüdin, eine geborene Flörsheim (Anm. Flörsheim muß Flersheim heißen). Als Kollegen den Ko einmal fragten, warum er gerade diese Frau geheiratet habe, soll er auf frankfurterisch geantwortet haben: " Ei, weil in der Preislag' nix anners zu hawe war!" Hinter seinem Haus waren Stallungen. Dort wohnte der Kutscher, mit dessen vier Kindern wir oft spielten. Die einfach gekleideten Mädchen und ihre Eltern lebten in zwei Räumen über dem Stall. Im Umgang mit ihnen lernten Hans (Anm. Bruder von Lotte Fester: Hans Fester (04.05.1914 - 11-09.1967)) und ich zum ersten Mal arme Leute kennen. Auch unser Haus gehörte dem Ko. Nach vorne im Paterre befand sich Ko's Privatbank, während die hinteren Räume zum Garten von einem Hausmeister bewohnt wurden. Im ersten Stock residierte ein Direktor der Frankfurter Bank, und wir Festers hatten die Wohnung im zweiten Stock. Die Zimmer waren alle quadratisch, ein Südzimmer hatte man geteilt und ein Bad eingebaut. Der Ko war geizig; selten bewilligte er Reparaturen. Meine Mutter jedoch (Anm. Louise Fester, geb. Ritter 29.01.1879 - 14.12.1971) verstand ihn zu nehmen. So ließ er auf ihren Vorschlag eine Holzveranda in den Garten bauen. Sie ragte in den großen Kastanienbaum. Dort lebten wir im Sommer. Mein erstes Feuilleton in der Frankfurter Zeitung schrieb ich über diesen, unseren Baum.
Meine frühste Erinnerung - ich war damals zwei Jahre alt - ein Verlust. Ein Erlebnis in der Schweiz. Pepsi (Anm. Pepsi = Kosenamen für Emil A. Fester (15.12.1877 - 10.06.1964), Vater von Lotte Fester) hatte mir einen großen ro- tenLuftballon gekauft. Beim Spiel entglitt mir seine Schnur und zu meinem großen Schmerz entschwebte der Ballon in Richtung Berge. ...
   

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leer punkt Der Taunusplatz
  grafik-zu-text
leer Taunusplatz, Nord-und Ostseite 1857. In der Mitte der Häuser Morgenstern sowie der Schriftstellerin Maria Belli-Gontard (1788-1883) und Ehemann Johann Peter Josef Belli (1782-1859). Das Haus des Landschaftsmalers Carl Morgenstern (1811-1893), Taunusplatz Niddastraße, ist mit den spitzen Türmchen (2. von links) an der besonderen Bauweise deutlich zu erkennen.
  grafik-zu-text Wohnhaus am Taunusplatz 23 im Jahre 1911
Ecke Nidda- und Westerstraße.
Der damalige Eigentümer war der Bankier Gustav Adolf de Neuville. Das Haus wurde 1944 im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstöret.
  grafik-zu-text Wohnhaus am Taunusplatz im Jahre 1857
nach Zeichnung des (unbekannten) Architekten.
Es ist das Haus des Landschaftsmalers Carl Morgenstern (1811-1893),
Taunusplatz Niddastraße.
  grafik-zu-text Merian-Plan aus dem Jahr 1861(Auszug)
Taunusplatz und die nahe Umgebung
mit Angaben der Hausnummern

um 1870 (Plan unten) hat eine Neuordnung der Hausnumerierung stattgefunden.

Zum Beispiel hatte das Haus mit der Nummer 13 später die Nummer 23
 

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Merian-Plan aus dem Jahr 1870 (Auszug)
Taunusplatz und die nahe Umgebung
mit Angaben der Hausnummern

um 1861 (Plan oben) hatte noch keine Neuordnung der Hausnumerierung stattgefunden.

Zum Beispiel hatte das Haus mit der Nummer 23 früher die Nummer 13
punkt Sehen Sie hier eine Auflistung von Namen der Bewohner vom Taunuspatz aus dem Jahr 1877

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leer punkt Ergänzungen
  grafik-zu-text Die Geschichte der BHF- BANK und ihrer Vorgängerinstitute
privat seit 1854
Inhalt (PDF-Format):

Teil I Die Frankfurter Bank
Teil II Die Berliner Handelsgesellschaft
Teil III Zusammenschluss gleichrangiger Partner; Die BHF-Bank entsteht
Ab Seite 52 finden Sie eine Auflistung der Geschäftsinhaber u. Vorstände ab 1854
 
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leer punkt E-Mail v. 01.09.2014: H. Fester an K. Rehmann
  Sehr geehrte Frau Rehmann, letzte Woche hatte ich die Möglichkeit im Zentralregister der Bestattungen in Frankfurt am Main nach Mutter und Kind suchen zu lassen. Leider ohne Erfolg. Als Erfolg ist also nur zu werten, daß weder die Köchin Anna Kaiser noch ihre Tochter in Frankfurt am Main bestattet sind. Hätte gerne an diesem Punkt eine Marke gesetzt, wo man hätte weiter recherchieren können. So habe ich also ohne weiterführende Informationen Ihre Geschichte in FESTER. DE untergebracht und gestern Abend hochgeladen. Natürlich macht es Sinn, wenn sich die Situation ändert, dann auch den Aufsatz in meiner Website zu aktualisieren. Bitte informieren Sie mich, wenn Sie dazu eine Veranlassung sehen. Viel Glück. Mit freundlichen Grüßen Harald Fester
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punkt E-Mail v. 01.09.2014: K. Rehmann an H. Fester
  Guten Abend Herr Fester, das haben Sie ja wundervoll gemacht! Ich war ganz überrascht, alles so schön dargestellt auf Ihrer Seite zu sehen! Gern noch einige Informationen: Frau Anna Kaiser, die Köchin, wurde am 04.08.1887 in Memmingen geboren und ist am 29.05.1966 in Bad Schmiedeberg (Sachsen-Anhalt) gestorben. Sie hatte nur diese eine Tochter, die am 05. Januar 1913 in Frankfurt am Main geboren ist. Die Geburt wurde von Emma Baschwitz, der Frau des damaligen Hausherren, Auf der Körnerwiese 2, angezeigt. Wie bereits gesagt, gibt es keine Informationen zu einem Vater. Kein Hinweis im Geburtenbuch der Stadt. Jetzt suche ich die Kirche, wo sie getauft wurde (evangelisch), ob dort vielleicht ein Hinweis zu finden ist. Die Katharinengemeinde, zuständig für die Körnerstraße 2, sagt dass bei ihnen nichts ist. Deshalb suchte ich die nächste Adresse im Buch. Das sind Ihre Vorfahren am Taunusplatz. Jetzt suche ich die evangelische Kirche für den Taunusplatz und möchte da nach einer Taufbescheinigung nachfragen. Der Name "Alfred Guggenheimer" fiel irgendwann, ob es richtig ist, weiß ich nicht. Im Juli 2014 erfuhr ich, dass ein Alfred Guggenheimer in Memmingen wohnte und sogar ein Freund der Familie war. Wie Sie bereits rausgesucht haben, gibt es für diesen Mann einen Stolperstein in Memmingen und einen langen Aufsatz über sein Leben (die Europa-Abgeordnete Barbara Lochbihler veröffentlichte ihn in ihrem Buch „Die Allgäuerinnen“) Auf jeden Fall ist der unbekannte Vater ein Jude gewesen, die Nazis wussten es. Das Bundesarchiv in Berlin - Lichterfelde sagt dazu, dass die Karten zur Volkszählung von den einzelnen Familien ausgefüllt wurden, ohne Angabe von Namen. Da wurde einfach gefragt, ob Vater oder Mutter arisch sind oder Jude. Aus diesem Grund durfte meine Großmutter auch nicht heiraten - siehe Schreiben des Regierungspräsidenten an Mann, den die Köchin Anna Kaiser heiratete und der jetzt Stiefvater der kleinen Anna war. Er war Bäckermeister in Bad Schmiedeberg. Ihre Tochter wuchs übrigens bei einer Tante in Memmingen auf. Sie war nicht bei ihrer Mutter und ihren vielen neuen Dienstverhältnissen. Die Tante hieß Emma Kaiser und wurde, weil sie dement wurde oder auch Alzheimer hatte, bei den Nazis Euthanasie-Opfer. Oh Herr Fester, es ist wohl alles etwas durcheinander geschrieben. Nach meinem Urlaub habe ich mehr Zeit. Wollte Ihnen nur danken und die neuen Informationen sagen. Viele herzliche Grüße, Kerstin Rehmann
   

© Harald Fester (2014)

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